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Literatur und Interpretation

Dieter Schulz

Henry David Thoreau – Wege eines amerikanischen Schriftstellers

2017, kt., 246 S., 18,00 €, ISBN 978-3-86809-120-5 (erscheint zum 29. Juni 2017)

 

Nach der Lektüre von Thoreaus Tagebuch rieb sich der prominente Kritiker
Alfred Kazin die Augen: Es sei ‚unnatürlich‘, dass jemand Tag für Tag derart
gut schreibe. Thoreaus Ruhm beruht zum einen auf Walden, dem Bericht
über das Experiment eines einfachen, naturnahen Lebens, der maßgeblich zur
Entwicklung des ökologischen Bewusstseins beigetragen hat; zum anderen
auf dem Essay „Civil Disobedience“, dessen Titel zum Schlagwort für Bürger-
rechtler und Protestbewegungen in aller Welt geworden ist, von Gandhi,
Nelson Mandela und Martin Luther King bis zu „Occupy“ und „Black Lives
Matter“. Gegenüber diesen beiden Klassikern ist das übrige Werk – politische
Pamphlete, Natur-Essays, Reisebücher, das Tagebuch, die hinterlassenen
Fragmente – nicht ins allgemeine Bewusstsein gedrungen. Zu Unrecht. Das
Gesamtwerk beeindruckt durch erstaunliche thematische Vielfalt, gedankliche
Tiefe und nicht zuletzt die von Kazin notierte stilistische Brillanz. Ein über-
zeugter Amerikaner, hochkarätiger Naturforscher und eigenwilliger Denker im
Umkreis Emersons und der „Transzendentalisten“, erweist sich Thoreau vor
allem als ein Schriftsteller von weltliterarischem Rang.